Veröffentlichung EXTERN

Kommunale Kriminalprävention und (dialogische) Bürgerbeteiligung

Die kooperative Seminararbeit im Seminar „Politische Beteiligung und Legitimität“ (Wintersemester 2020/2021) des Institus für Sozialwissenschaften (SOWI I) der Universität Stuttgart beleuchtet Ansatzpunkte für dialogische Bürgerbeteiligung in der Kommunalen Kriminalprävention.

Die wesentlichen Erkenntnisse des gesamten Abschlussberichts haben wir für Sie nachfolgend kurz zusammengefasst. Für die Inhalte des Berichts sind die Universität Stuttgart sowie die erstellenden Studierenden verantwortlich.

© Apl. Prof. Dr. Angelika Vetter (Kontakt: angelika.vetter@sowi.uni-stuttgart.de), Nina Günther, Lena Samel, Jonathan Friz und Markus Walter.

Zusammenfassung

Die in einer Kommune lebenden Bürgerinnen und Bürger sind von zentraler Bedeutung für die Kommunale Kriminalprävention (KKP), da sie sowohl Ausgangs- als auch Zielpunkt aller kriminalpräventiven Maßnahmen sind (S. 19). Gleichzeitig ist Bürgerbeteiligung eine der Säulen, auf denen KKP bauen sollte (S. 13). Dies wird jedoch lokal sehr unterschiedlich gehandhabt und bleibt teilweise weit hinter dem Anspruch zurück. Dabei traut sich laut Studie der Bertelsmann-Stiftung ein Großteil der befragten Einwohnerinnen und Einwohner durchaus zu, auch in dieser speziellen und bedeutsamen Domäne mehr Verantwortung zu übernehmen (S. 9). Die Arbeit möchte aufzeigen, in welchen Bereichen der KKP dialogische Bürgerbeteiligung ansetzen und wie deren langfristige Etablierung gelingen kann.

Auch wenn öffentliche Sicherheit und damit auch das Sicherheitsgefühl vorrangige staatliche Aufgaben sind, können diese nicht alleine erfüllt werden. Kriminalprävention sollte also versuchen, durch die frühzeitige Einbeziehung von verschiedenen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in der Identifikation von sicherheitsrelevanten Problemlagen aktiv zu werden sowie die gemeinsame Entwicklung von Problemlösungen, ggfs. sogar deren Umsetzung, voranzutreiben. Hierfür kann (dialogische) Bürgerbeteiligung ein wichtiger Ansatzpunkt sein (S. 16). Durch regelmäßige, fest installierte Partizipationsmöglichkeiten innerhalb der KKP kann zudem der Eindruck vermieden werden, dass die Behörden nur dann auf die Bevölkerung zugehen, wenn tatsächlich Probleme in einzelnen Stadtvierteln bestehen. Vielmehr können Probleme mit Kriminalität oder Unsicherheitsgefühlen bereits früh angesprochen und erkannt werden, sodass präventive und reagierende Schritte schneller eingeleitet werden können (S. 18). Dialogische Beteiligungsprozesse, die auf die Stärkung von Netzwerken zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern eines Stadtviertels und zur Verbesserung von Lebensqualität ausgerichtet sind, können, auch aufgrund der Bedeutung von Nachbarschaft für die subjektive sowie objektive Sicherheit, mögliche Maßnahmen mit kriminalpräventiver Wirkung sein.

Im Rahmen des Prinzips der Koproduktion werden wirkungsorientierte Formen des gemeinsamen Handelns zwischen öffentlichen Verwaltungen sowie Bürgerinnen und Bürgern und der Mehrwert für beide Seiten beschrieben (S. 7). Dialogische Bürgerbeteiligung kann dabei in einer Vielzahl von Formaten realisiert werden. In der Arbeit werden verschiedene Fallbespiele aus Mannheim, Stuttgart, Schwäbisch Gmünd, Heidelberg, Freiburg, Filderstadt, Offenburg, Karlsruhe sowie dem Polizeipräsidium Rheinpfalz vorgestellt, die mit Hilfe dialogischer Bürgerbeteiligungsformate (u.a. zum Sicherheitsgefühl) und der KKP gearbeitet haben, wenngleich nicht immer explizit (S. 29 ff.). So werden Sicherheitsdialog, Monitoring-Gruppe, Exploratory Walks, Sicherheitsbeiräte, Nachbarschaftsgespräche, Bürgerversammlungen, Meldesysteme, teilnehmende Beobachtungen, Zukunftswerkstätten und andere Formate aufgezeigt. Zudem sind Erfahrungen und Methoden geschildert, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Aber auch Schwierigkeiten und Lösungsansätze oder der Umgang mit Ergebnissen sowie der Zugang werden thematisiert (S. 52 ff.).

Im Anhang der Arbeit finden sich neben dem verwendeten Interviewleitfaden (Anhang A) eine Check- und Fragenliste für die Planung und Anwendung dialogischer Bürgerbeteiligung in der KKP (Anhang B), eine Übersicht über mögliche Formate dialogischer Bürgerbeteiligung, die für die KKP sinnvoll genutzt werden können (Anhang C) sowie eine Linksammlung zu weiteren möglichen Methoden und Praxisbeispielen für Bürgerbeteiligung in der KKP (Anhang D).

Erreichbarkeit

Tel.: 0711 231 5550
E-Mail: GeZ-KKP@im.bwl.de

Adresse

Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg

Willy-Brandt-Straße 41
70173 Stuttgart
Deutschland